Jun ‍‍2016 - תשעו / תשעז

Paraschat Bamidbar 5776

Paraschat Bamidbar

Daf Bamidbar 5776

10./11. Juni 2016
5. Siwan 5776

Bamidbar 1:1 – 4:20
Haftara: Hoschea 2:1 – 22

Die Parascha in Kürze

• Die wehrfähigen Männer jedes Stammes werden gezählt; Männer des Stammes Levi ab dem Alter von einem Monat werden separat gezählt
Die Lagerung der Stämme wird designiert
• Die levitischen Familien, ihre Zahl, ihre Lagerung und ihre Aufgaben beim Transport des Stiftszeltes werden beschrieben

Konzept der Woche
וַיְדַבֵּר ה‘ אֶל־מֹשֶׁה בְּמִדְבַּר סִינַי בְּאֹהֶל מוֹעֵד בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ הַשֵּׁנִי בַּשָּׁנָה הַשֵּׁנִית לְצֵאתָם מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לֵאמֹר: שְׂאוּ אֶת־רֹאשׁ כָּל־עֲדַת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל לְמִשְׁפְּחֹתָם לְבֵית אֲבֹתָם בְּמִסְפַּר שֵׁמוֹת כָּל־זָכָר לְגֻלְגְּלֹתָם:
„Haschem redete mit Mosche in der Wüste Sinai, im Stiftszelt, am ersten des zweiten Monats, im zweiten Jahr nach dem Auszug aus dem Land Ägypten und sprach: nehmt die Gesamtzahl der ganzen Gemeinde der Kinder Jisraels auf nach ihren Familien, nach dem Haus ihrer Väter, mit Zählung der Namen, alle Männlichen nach ihren Köpfen (1:1-2).“
Haschem befiehlt am Beginn dieser Parascha, dass das jüdische Volk gezählt werden soll. Der Vers sagt: בְּמִסְפַּר שֵׁמוֹת – mit Zählung der Namen, was der Baal HaTurim (Rabbiner Jakow ben Ascher, 1270-1340) als Erinnerung an die Beibehaltung der jüdischen Namen in Ägypten sieht. Kli Yakar (Rabbiner Schlomo Ephraim Luntschitz, 1550-1619) und Sforno (Rabbiner Ovadia Sforno, 1475-1550) sehen darin allerdings den Ausdruck dessen, dass G-tt jeden Juden für etwas Besonderes und für wertvoll hält. Der Schloh (Rabbiner Isaiah Horowitz, 1565-1630) führt diesen Gedanken in seinem Werk Derech Chaim Tochechos Mussar noch weiter aus: „Jedes einzelne Mitglied der jüdischen Nation ist darin ein wesentliches Element und jeder Jude ist so entscheidend für das jüdische Volk, als würde sich alles nur um ihn drehen. Wir müssen daran fest glauben und danach handeln. Unsere Weisen haben uns gelehrt, dass ein Mensch die Welt als je zur Hälfte wertvoll und wertlos betrachten soll. Wenn daher nur er sündigte, würde er die Waagschale zum Wertlosen ausschlagen lassen. Wenn er aber nur eine Mitzwa tut, wird die Waage zum Heiligen tendieren. Man muss sich selbst so ansehen, als ob man die Welt mit seinen Taten ändern und dadurch Gunst in G-ttes Augen für das jüdische Volk erreichen kann.“
Tatsächlich erhält jeder Jude von Haschem eine besondere g-ttliche Fürsorge, weil er von Ihm geliebt wird, als gäbe es niemanden auf der Welt außer ihm. Im Gegenzug muss der Mensch seinen einzigartigen Status im Dienste Haschems benutzen, als wäre er wirklich der einzige Mensch auf Erden und als wären nur seine Taten in der Lage, dem Schöpfer zu gefallen.
Alschich (Rabbiner Mosche Alschich, 1508-1593) sagt etwas Ähnliches in Bezug auf die Mischna, die wir vor dem Lernen der Pirkei Awos lernen: כָּל יִשְֹרָאֵל יֵֹש לָהֶם חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא – jeder Jude hat einen Anteil an der kommenden Welt (Olam HaBa). Damit kann nicht nur die simple Bedeutung gemeint sein: an der kommenden Welt, denn dann hätte es doch heißen sollen: בָּעוֹלָם הַבָּא. Weil aber stattdessen לָעוֹלָם הַבָּא steht, das zur kommenden Welt bedeutet, erklärt Alschich die einzigartige Rolle jedes Juden auf der Welt, die darin besteht, eine einzigartige Aufgabe – seinen Anteil – auszufüllen, was ihn zur Olam Haba bringt. Er muss seine Aufgabe finden und seine designierte Rolle erfüllen, so dass er seinen Platz in der kommenden Welt verdient.
In diesem Sinne schreibt auch der Ramchal (Rabbiner Mosche Chaim Luzzatto, 1707-1746) in seiner Einführung zu Mesillas Jescharim: „Der Mensch muss klären und erkennen, was seine Aufgabe in seiner Welt ist.“ Er soll nicht seine Aufgabe in der Welt, sondern in seiner Welt finden, denn da jeder Mensch einzigartig und besonders ist, hat Haschem für ihn eine Welt geschaffen, in der seine Aufgabe auf ihn zugeschnitten ist und die er bewältigen soll.
Frage der Woche: Warum wurde der Stamm Jehuda gewählt, die Lagerung des jüdischen Volkes zu führen, während der Stamm Dan als Abschluss gewählt wurde? Antwort, s.G.w., im nächsten Daf.

Antwort auf die zuletzt gestellte Frage: Warum heißt es in Vers 26:4, dass der Regen fallen wird גִשְׁמֵיכֶם בְּעִתָּם – zur rechten Zeit? Chiskuni (Rav Chesekia ben Menoach, französischer Rabbiner des 13. Jhd.) erklärt, dass Regen, der zur falschen Zeit fällt, die Vegetation zerstören kann. Somit wird dieser Regen nicht den Segen bringen, den der Vers verspricht.
Biographie der Woche

Rabbiner Chaim Elazar Spira

Minchas Elazar

Jahrzeit 2. Siwan

Rabbiner Spira wurde 1868 im galizischen Strizev geboren, das zu jener Zeit zu Österreich-Ungarn gehörte. Er stammte vom Begründer der Munkaczer chassidischen Dynastie, Rabbiner Zwi Elimelech Spira (1783-1841), ab und wuchs im Haus seines Großvaters in Strizev auf, der dort als Rabbiner amtierte. Schon in jungen Jahren zeigte sich seine hohe intellektuelle Begabung und er begann, seine Torakommentare niederzuschreiben. Im Laufe seines Lebens veröffentlichte er zahlreiche Bücher, worunter sich sein berühmtestes Werk Minchas Elazar befindet, unter welchem Namen er auch bekannt ist.
1903 übersiedelte er nach Munkacz, wirkte dort zuerst als Dajan und wurde 1913 nach dem Tod seines Vaters der Rebbe von Munkacz. Seine Gelehrsamkeit und seine Führungspersönlichkeit machten ihn weit über die Grenzen Munkacz‘ bekannt. Die unter seiner Obhut stehende Jeschiwa zog viele junge jüdische Männer aus nah und fern an, aber der Munkaczer Rebbe setzte sich auch eloquent gegen Bewegungen zur Wehr, die das traditionelle jüdische Leben zu unterwandern drohten. 1930 reiste er nach Eretz Jisrael, wo er auch den hochbetagten Rabbiner Schlomo Elieser Alfandari (1820-1930) aufsuchte. Der zionistischen Idee konnte er allerdings nichts abgewinnen und war auch durch seine Reden bekannt, die diesen Ansichten lautstark Ausdruck verliehen.
1933 wurde die Hochzeit seines einzigen Kindes, seiner Tochter Frimet, unter Beteiligung Zehntausender Chassidim in Munkacz gefeiert. Selbst Hollywood sandte Reporter nach Munkacz und so können wir heute noch den Munkaczer Rebben im Film sehen, wo er auch die Gelegenheit wahrnimmt, die amerikanischen Juden zum Hüten des Schabbat anzuhalten.
Er starb 1937 in Munkacz.

Impressum: Herausgegeben von HMS © 2016