Feb ‍‍2017 - תשעז / תשעח

Dar Paraschat JItro 5777

Paraschat Jitro
17./18. Februar 2017
22. Schwat 5777

Daf Yisro 5777

Schmot 18:1 – 20:23
Haftara: Jeschaja 6:1 – 7:6 & 9:5/6

Die Parascha in Kürze

• Mosches Schwiegervater Jitro bringt Mosches Frau und Kinder zu ihm; Jitro schließt sich Am Jisrael an und empfiehlt Mosche eine Umstrukturierung der Gerichtsbarkeit
• Das Volk bereitet sich am Berg Sinai auf die Übergabe der Tora vor und G-tt gibt die Zehn Gebote dem ganzen Volk

Konzept der Woche
וְיוֹם הַשְּׁבִיעִי שַׁבָּת לַה‘ אֱלֹקֶיךָ לֹא־תַעֲשֶׂה כָל־מְלָאכָה אַתָּה וּבִנְךָ וּבִתֶּךָ עַבְדְּךָ וַאֲמָתְךָ וּבְהֶמְתֶּךָ וְגֵרְךָ אֲשֶׁר בִּשְׁעָרֶיךָ:

„Und der siebte Tag ist Schabbat für Haschem, deinen G-tt. Keinerlei Werk sollst du schaffen, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und dein Fremder, der in deinen Toren (20:10).”

Das vierte der Zehn Gebote ist die Mitzwa von Schabbat. Am Schabbat dürfen wir keine מְלָאכָה – verbotene Arbeit – tun. Das Sefer HaChinuch (anonym im 13. Jhd. In Spanien veröffentlicht) führt aus, dass die Tora uns hier sagt, nicht nur wir selbst müssen uns jeglicher Melacha enthalten, sondern auch alle, die uns umgeben: dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Tier und dein Fremder, der in deinen Toren ist. Die Strafe für die absichtliche Übertretung der Schabbat-Verbote ist äußerst streng, aber die Tora sagt uns hier, dass wir ebenfalls für die Einhaltung der Schabbat-Gebote unserer Umgebung verantwortlich sind. Bei Sohn und Tochter handelt es sich hier um minderjährige Kinder, denn nachdem das Bar Mitzwa-Alter erreicht ist, ist ein Junge für das Einhalten aller Mitzwot selbst verantwortlich. Mitעַבְדְּךָ וַאֲמָתְךָ sind männliche und weibliche Sklaven gemeint, die im Altertum zur Familie gehörten. Diese Knechte und Mägde waren zwar nichtjüdisch geboren, aber wurden mit ihrem Kauf zu Juden, die alle nicht zeitabhängigen Mitzwot halten mussten. Dazu gehörte eben auch, den Schabbat zu hüten.
Divrei Yechezkel (Rav Yechezkel Shraga Halberstamm, 1813-1898) beschäftigt sich mit der Reihenfolge derjenigen, denen im Vers verboten wird zu arbeiten. Er leitet aus der Anordnung ab, wie es mit der Verantwortung des Hausherrn aussieht, die für die verschiedenen Kategorien zu erfüllen ist. Wenn die Reihenfolge nach Wichtigkeit ginge, würde man erwarten, dass sich der Fremde in der Gruppe der Menschen wiederfindet und erst danach das בְּהֶמְתֶּךָ – dein Tier – genannt wird. Divrei Yechezkel erklärt den Anspruch der Tora, dass wir uns zunächst vergewissern, dass alle, die Teil unseres Haushalts sind, den Schabbat halten. Der Vater bzw. der Herr ist direkt für alles in seinem Haus verantwortlich und jegliche Melacha ihrerseits wird ihm zugeordnet. Beim גֵרְךָ אֲשֶׁר בִּשְׁעָרֶיךָ – dem Fremden in deinen Toren – handelt es sich, wie der Ramban (Rav Mosche ben Nachman, 1194-1270) sagt, um einen גֵּר תּוֹשָׁב – einen Nicht-Juden, der das Einhalten der sieben Noachidischen Gesetze auf sich genommen hat, aber nicht die ganze Tora. Zu diesen sieben Gesetzen gehört nicht das Schabbat-Gebot und der Ger Toschaw darf am Schabbat so wie an jedem anderen Wochentag arbeiten, allerdings nur für sich selbst und nicht für einen Juden. Ein Jude darf ihn nicht dazu veranlassen oder ihn bitten, für ihn eine Melacha am Schabbat zu tun. Das ist der Grund, sagt Divrei Yechezkel, dass der Fremde in einer anderen Kategorie ist als die anderen aufgezählten Parteien und sich am Ende des Verses befindet.
Auch heutzutage hört man immer wieder vom Konzept des „Schabbes-Goj“. Mancher meint, dass ein Jude einen Nichtjuden mehr oder weniger direkt am Schabbat fragen kann, das eine oder andere für ihn zu tun. Dem ist generell jedoch nicht so. Die Regel ist: was einem Juden am Schabbat verboten ist, darf auch ein Nichtjude nicht für ihn tun. Es gibt allerdings Ausnahmen dieser Regel, die aber genau definiert sind.

Frage der Woche: Wo finden wir in der Tora eine Anspielung auf den Brauch, am Erew Schabbat (Freitag) gewisse Arbeiten nach Chatzot (halachische Mittagszeit) nicht mehr zu tun? Antwort, s.G.w., im nächsten Daf.

Antwort auf die zuletzt gestellte Frage: Welchen Geschmack konnte das Man nicht annehmen? Der Talmud zitiert eine Meinung im Traktat Joma, dass das Man nicht den Geschmack von Gurken, Melonen, Porree, Zwiebeln oder Knoblauch annehmen konnte.
Biographie der Woche

Rabbi Meir ben Jitzchak Katzenellenbogen

Maharam Padua

Jahrzeit 10. Schwat

Rabbiner Meir ben Jitzchak Katzenellenbogen wurde 1482 in Katzenelnbogen geboren, das heute im nördlichen Rheinland-Pfalz liegt. Zunächst lernte er bei Rav Jakow Pollack (1470-1541) in Prag und ging dann nach Padua, wo er in Rav Jehuda Mintz‘ (1405-1508) Jeschiwa studierte. Er heiratete dessen Enkelin und trat später die Nachfolge seines Schwiegervaters als Rabbiner von Padua und Venedig an. Er wurde als großer Talmudgelehrter anerkannt und stand im Briefwechsel mit den großen Rabbinern seiner Zeit, wie Sforno (Rav Ovadja Sforno, 1475-1550) und dem Rema (Rav Mosche Isserles, 1520-1572), die seine Ansichten zu aktuellen halachischen Problemen nachfragten. Seine Responsen sind überliefert.
Um 1550 entwickelte sich der Streit zweier konkurrierender venezianischer Verleger bei der Drucklegung von Rambams (Rav Mosche ben Maimon, 1135-1204) Mischne Tora in einem solchen Ausmaß, dass die rabbinische Entscheidung des Maharam Padua von den jüdischen Opponierenden ignoriert wurde und es zu Denunziationen über den Talmud vor christlichen Stellen kam. Daraufhin wurden sämtliche Talmudausgaben Venedigs 1553 verbrannt und der Besitz einer Talmudausgabe verboten. Rav Meir musste zeitweilig aus dem Gedächtnis und ohne einen gedruckten Text lernen.
Er ist der Vorfahre und Verwandte vieler berühmter Rabbiner. Rav Meir starb 1565 in Padua.

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