Feb ‍‍2018 - תשעח / תשעט

Daf Paraschat Jitro 5778

Paraschat Jitro 2./3. Februar 2018
18. Schwat 5778

Hier können Sie das Daf als pdf herunterladen:Daf Yisro 5778

Schmot 18:1 – 20:23
Haftara: Jeschaja 6:1 – 7:6 & 9:5/6
Die Parascha in Kürze

• Mosches Schwiegervater Jitro bringt Mosches Frau und Kinder zu ihm; Jitro schließt sich Am Jisrael an und empfiehlt Mosche eine Umstrukturierung der Gerichtsbarkeit
• Das Volk bereitet sich am Berg Sinai auf die Übergabe der Tora vor und G-tt gibt die Zehn Gebote dem ganzen Volk

Konzept der Woche
וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה לְחֹתְנוֹ כִּי־יָבֹא אֵלַי הָעָם לִדְרשׁ אֱלֹקִים: …. עַתָּה שְׁמַע בְּקֹלִי אִיעָצְךָ וִיהִי אֱלֹקִים עִמָּךְ הֱיֵה אַתָּה לָעָם מוּל הָאֱלֹקִים וְהֵבֵאתָ אַתָּה אֶת־הַדְּבָרִים אֶל־הָאֱלֹקִים:
„Mosche erwiderte seinem Schwiegervater: ‚Es kommt das Volk zu mir G-tt zu suchen.‘ …. ‚Nun höre auf meine Stimme, ich rate dir, und G-tt wird mit dir sein: sei du für das Volk G-tt gegenüber und bringe du die Anliegen zu G-tt.‘“ (18:15 & 19)

Verschiedene Mefarschim (Tora-Kommentatoren) lassen sich über die Bedeutung der Worte לִדְרשׁ אֱלֹקִים – G-tt zu suchen – aus. Netziv (Rav Naftoli Zwi Jehuda Berlin, 1816-1893) erklärt Jitros Rat in Vers 19 als die Übertragung einer Aufgabe, die Mosche zuvor nicht innehatte. Daher antwortet Jitro auf Mosches Worte, dass die Menschen zu ihm kommen, um G-tt zu suchen, d.h. G-ttes Gedanken und Regeln zu erfahren. Jitro rät Mosche, sein Verhalten zu ändern und von nun an הֱיֵה אַתָּה לָעָם מוּל הָאֱלֹקִים – sei du für das Volk G-tt gegenüber, d.h. sei G-ttes Repräsentant. Netziv erläutert, dass es zwei unterschiedliche Arten von Vermittlern zwischen dem Menschen und G-tt gibt und zieht Beispiele für zwei verschiedene Vermittler bei einem menschlichen König heran. Er führt aus, dass nicht jeder Untertan fähig ist, eine Privataudienz beim König zu erlangen und ihm Fragen zu stellen oder Bitten an ihn heranzubringen. Daher ernennt der König eine qualifizierte Person für die Rolle des Vermittlers, der mit den Gedankengängen und Entscheidungen des Königs vertraut ist und sie im Volk verbreiten kann. Der zweite Typ von Vermittler ist ein weiser Mensch, der gleichzeitig ein Vertrauter des Königs ist, und zu dem die Menschen mit ihren Anliegen kommen, um ihre Frage oder Bitte vorzubringen. Der Unterschied zwischen beiden Vermittlern ist, dass der königliche Vertreter keine besondere Beziehung zum Volk besitzt, weil er lediglich seinen Job ausführt. Ein Repräsentant des Volkes hingegen ist als dessen Freund und Ratgeber ein Mensch, der für die Interessen des Volkes eintritt.
So ist auch im jüdischen Volk nicht jeder in der Lage, mit G-tt zu sprechen und vor allem nicht, Seine Gedanken durch Prophetie zu erfragen. Die Mehrheit der Menschen muss daher zum Propheten der jeweiligen Generation kommen, den Haschem erwählt hat, um die g-ttlichen Entscheidungen zu erfahren. So kam beispielsweise König Scha’ul zum Propheten Schmuel mit diversen Fragen. Nachdem wir keine Propheten mehr haben, wendet man sich nun an einen ‚Gadol HaDor‘, einen anerkannten Tora-Gelehrten und Führer der Generation.
Ein Prophet oder Gadol HaDor ist jedoch auch in der Lage, als Advokat des Volkes zu Haschem zu beten und dessen Bitten vorzutragen, so wie die Gemara im Traktat Bava Batra 116a sagt: Jemand, der einen Kranken im Haus hat, soll zu einem Gelehrten gehen, der für ihn für Barmherzigkeit beten wird. Im Traktat Chagiga 12b sagt die Gemara weiter: Wer sich mit der Tora in der Nacht beschäftigt, wird von Haschem mit Gnade am Tag ausgestattet, so wie es in Tehillim 42:9 heißt: יוֹמָם יְצַוֶּה ה‘ חַסְדּוֹ וּבַלַּיְלָה שִׁירֹה עִמִּי תְּפִלָּה לְאֵל חַיָּי: – Tagsüber entbietet Haschem Seine Gnade und in der Nacht ist Sein Lied bei mir, ein Gebet zu dem G-tte meines Lebens. Netziv erklärt, dass die Gnade, mit der der Tora-Gelehrte ausgestattet ist, die Annahme seiner Gebete durch Haschem ist. Demzufolge, sind in einem Propheten oder Gadol HaDor beide Vermittlerrollen vertreten.
Netziv erklärt, dass Jitro Mosche erklärt hat, es sei nicht ausreichend, nur ein דוֹרֵשׁ – Fürbitter – zu sein, der die Bitten des Volkes vor Haschem bringt und die Antworten Haschems dann dem Volk vorlegt, sondern er soll von nun an ein Advokat des Volkes sein, der sich für alle Belange der Menschen einsetzt. Und wie Vers 18:19 weiter sagt: וְהֵבֵאתָ אַתָּה אֶת־הַדְּבָרִים אֶל־הָאֱלֹקִים – und bringe du die Anliegen zu G-tt – d.h. sei du derjenige, der die seelischen Qualen jedes Einzelnen vor Haschem bringt und um Gnade fleht.

Frage der Woche: Jitro hörte „alles, das G-tt für Mosche getan hatte“ (18:1). Was hatte G-tt für Mosche getan? Antwort, s.G.w., im nächsten Daf.

Antwort auf die zuletzt gestellte Frage: Warum wird Mosches Aufschreien nicht als Mangel an Bitachon angesehen? Rav Jisroel Salanter (1810-1883) erklärt, dass Mosche nicht für sich selbst aufschrie, sondern für das jüdische Volk. Sein Bitachon hat ihn nicht davon abgehalten, für andere Juden zu beten.
Biographie der Woche

Rabbi Mosche ben Jonathan Galante

Rav HaMagen

Jahrzeit 21. Schwat

Rav Mosche Galante wurde 1620 in Tzfat geboren. Sein Großvater war Rav Mosche ben Mordechai Galante, der mit nur 22 Jahren von Rav Joseph Karo (1488-1575) in Tzfat zum Rabbiner ordiniert worden war und der die Nachfolge Rav Karos als Rabbiner von Tzfat antrat. Die Familie Galante war bei der Vertreibung der Juden aus Spanien nach Rom verschlagen worden, wo sie den Namen Galante annahm. Von dort zogen Teile der Familie nach Eretz Jisrael.
Rav Mosche ben Jonathan Galante war ein großer Tora-Gelehrter, der schon zu Lebzeiten große Anerkennung genoss. Im Alter von Mitte Dreißig zog Rav Galante nach Jerusalem und wurde dort 1674 Rosch Jeschiwa. Er schrieb ein Werk mit tausend Responsen Elef HaMagen und weitere Werke zu Talmud und Halacha. Aus großer Bescheidenheit wollte er nicht den Titel des Oberrabbiners von Jerusalem annehmen. Stattdessen wurde er Rischon LeZion (Erster in Zion) genannt – ein Titel, den von dann an alle sephardischen Oberrabbiner von Jerusalem trugen. Zu seinen Schülern gehört Rav Chiskia da Silva (1659-1698), der Autor des Pri Chadasch (Kommentar zu einem Teil des Schulchan Aruch).
Rav Galante starb 1689 in Jerusalem.
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