Jan ‍‍2016 - תשעו / תשעז

Daf Paraschat Jitro 5776

Paraschat Jitro

Daf Yisro 5776

29./30. Januar 2016
20. Schwat 5776

Schmot 18:1 – 20:23
Haftara: Jeschaja 6:1 – 7:6 & 9:5/6

Die Parascha in Kürze
• Mosches Schwiegervater Jitro bringt Mosches Frau und Kinder zu ihm; Jitro schließt sich Am Jisrael an und empfiehlt Mosche eine Um-strukturierung der Gerichtsbarkeit
• Das Volk bereitet sich am Berg Sinai auf die Übergabe der Tora vor und G-tt gibt die Zehn Gebote dem ganzen Volk

Konzept der Woche
In Parschat Jitro kommt Am Jisrael zum Berg Sinai und empfängt von G-tt die Tora. Die Zehn Gebote werden dem von Ehrfurcht erfüllten Volk verkündet. Das vierte Gebot gebietet, den Schabbat zu heiligen:
זָכוֹר אֶת־יוֹם הַשַּׁבָּת לְקַדְּשׁוֹ: שֵׁשֶׁת יָמִים תַּעֲבֹד וְעָשִׂיתָ כָּל־מְלַאכְתֶּךָ: וְיוֹם הַשְּׁבִיעִי שַׁבָּת לַה‘ אֱלֹקֶיךָ לֹא־תַעֲשֶׂה כָל־מְלָאכָה אַתָּה וּבִנְךָ וּבִתֶּךָ עַבְדְּךָ וַאֲמָתְךָ וּבְהֶמְתֶּךָ וְגֵרְךָ אֲשֶׁר בִּשְׁעָרֶיךָ: כִּי שֵׁשֶׁת־יָמִים עָשָׂה ה‘ אֶת־הַשָּׁמַיִם וְאֶת־הָאָרֶץ אֶת־הַיָּם וְאֶת־כָּל־אֲשֶׁר־בָּם וַיָּנַח בַּיּוֹם הַשְּׁבִיעִי עַל־כֵּן בֵּרַךְ ה‘ אֶת־יוֹם הַשַּׁבָּת וַיְקַדְּשֵׁהוּ:
„Gedenke des Schabbattages, um ihn zu heiligen. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Werke verrichten. Aber der siebte Tag ist Schabbat für Haschem, deinen G-tt; da sollst du keinerlei Werk verrichten, weder du noch dein Sohn oder deine Tochter, noch dein Knecht oder deine Magd, noch dein Vieh, noch der Fremde, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat Haschem den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was in ihnen ist, erschaffen, aber am siebten Tag ruhte Er; daher segnete Haschem den Schabbattag und heiligte ihn (20:8-11).“

Der gesamte Haushalt wird aufgeführt, denn auch die minderjährigen Kinder und die Dienerschaft sind in das Schabbatgebot einbezogen. Der Talmud erklärt uns, dass es sich bei der am Schabbat verbotenen Arbeit um kreatives Schaffen handelt, das sich von den 39 Arbeiten für die Errichtung des מִשְׁכָּן – Stiftszelts – herleitet. Der Chidushe HaRim (Rabbiner Jitzchak Meir Alter, 1799-1866, der erste Gerrer Rebbe) erklärt, dass am Schabbat absolutes Ruhen von jeglichen physischen Aspekten des Schaffens gefordert ist, wie der Verzicht auf Bauen, Kochen oder Feuermachen. Wir müssen versuchen, uns am Schabbat auf eine andere Form der Existenz zu konzentrieren: auf die geistige Ebene, die G-tt uns zugutekommen lässt. Unsere normalen und alltäglichen Bedürfnisse und Wünsche werden irrelevant und wir sollen uns dem spirituellen Reichtum des Tages hingeben, ohne uns um anliegende Arbeiten zu kümmern oder zu sorgen. G-tt hat uns diesen besonderen, jede Woche wiederkehrenden Tag nicht nur gegeben, damit wir Ihn als Schöpfer anerkennen, sondern auch als ein Instrument, mit dem wir Ihm näherkommen können. Der Alltag bleibt draußen und wir können uns auf das Torastudium konzentrieren und versuchen, uns weiterzuentwickeln, indem wir uns mit Menschen umgeben, von denen wir lernen können.
Die ganze Woche über arbeiten wir zwar, aber jeder Tag wird im Gebet auf Hebräisch im Hinblick auf den Schabbat gezählt: Sonntag ist der erste Tag, Montag der zweite Tag usw. Wenn es in Vers 9 heißt, dass wir in sechs Tagen all unsere Werke verrichten sollen, so ist dies natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber wir sollen den Schabbat mit dem Gefühl beginnen, als hätten wir alles erledigt. Wir vertrauen uns G-tt an, der die ganze Welt in sechs Tagen erschaffen hat und am siebten Tage ruhte. ER sorgt für uns: unsere Arbeit ist unser Anteil, aber das Resultat ist allein von Ihm abhängig. So wie jeder Jude in der Wüste am Wochentag seinen Anteil am Man eingesammelt hat und am Ende jeder so viel hatte, wie er brauchte. Am Schabbat geschah das Wunder, dass zwar kein Man fiel, aber die Portion am Freitag doppelt so groß und über Nacht nicht verdorben war. So ist das Hüten des Schabbats unser Ausdruck von אֱמוּנָה – Glauben an G-tt – und von בִּיטָּחוֹן – G-ttvertrauen.
In Vers 11 segnet Haschem den Schabbat und heiligt ihn. Den Schabbat tragen wir in die nächste Woche mit uns und er wird zu einer Quelle von Segen für die kommenden Tage, denn wir spüren seine Heiligkeit, die er von Oben bezieht. Er gibt uns spirituelle Energie für die neue Woche.

Frage der Woche: Was lernen wir aus dem Satzוַיְדַבֵּר אֱלֹקִים אֵת כָּל־הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה לֵאמֹר אָנֹכִי ה‘ – Da redete G-tt alle diese Worte: Ich bin Haschem (20:1/2), mit dem die Zehn Gebote beginnen? Antwort, s.G.w., im nächsten Daf.

Antwort auf die zuletzt gestellte Frage: Warum betonte Mosche, dass man die Ägypter nie mehr so wie an jenem Tag sehen würde (14:14)? Ramban (1194-1270) erkennt daraus den Befehl, niemals nach Ägypten zurückzukehren.
Biographie der Woche

Rabbiner Menachem Mendel Morgensztern –
Kotzker Rebbe

Jahrzeit 22. Schwat

Rabbiner Menachem Mendel Morgensztern wurde 1787 in der Nähe von Lublin in Polen geboren. In seiner Jugend faszinierte ihn der Chassidismus und er wurde zum Anhänger des Rebben Simcha Bunim von Pschis’cha (1765-1827). Er hatte sich schon in seiner Jeschiwa als hervorragender Talmudist hervorgetan und legte zeitlebens großen Wert auf tiefschürfendes Tora- und Talmudstudium.
Nach dem Tode von Rabbi Simcha Bunim von Pschis’cha wurde Rabbiner Morgensztern im Jahre 1827 dessen Nachfolge angetragen, obwohl einigen Chassidim seine Ansichten zu extrem waren und lieber Rav Simcha Bunims Sohn als Nachfolger gesehen hätten.
Rabbiner Menachem Mendel ließ sich 1829 in Kotzk nieder und ließ nur einen kleinen, auserwählten Kreis von Schülern zu. Er war weder der Wunderrebbe noch der Magnet für die Massen. Seine hohen Ansprüche, die er sich selbst abverlangte, erwartete er auch von seinen Schülern. Dazu gehörte nicht nur intensives Torastudium, sondern auch eine fast selbstverachtende Ehrlichkeit auf der Suche nach der reinen Wahrheit.
Im Jahre 1839 kam es an Simchat Tora zu einem heftigen Zusammenstoß mit einem seiner engsten Schüler, Rabbi Mordechai Josef Leiner (1801-1854), der sich daraufhin von seinem Lehrer trennte und seinen eigenen chassidischen Hof gründete (Ischbitzer Rebbe). Der Kotzker Rebbe schloss sich ab diesem Zeitpunkt in ein Zimmer ein und verbrachte die letzten zwanzig Jahre seines Lebens in fast vollständiger Abgeschiedenheit von Familie und Anhängern. Er starb 1859 in Kotzk.
Sein Schwager, Rabbiner Jitzchak Meir Alter (1798-1866), wurde der erste Gerrer Rebbe und ist auch als der Chidusche HaRim bekannt. Durch ihn flossen die Ansichten des Kotzker Rebben in die Gerrer Chassidut mit ein.
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