Jun ‍‍2019 - תשעט / תשף

Daf Paraschat Bamidbar 5779

7./8. Juni 2019
5. Siwan 5779

Bamidbar 1:1 – 4:20
Haftara: Hoschea 2:1 – 22

Hier können Sie sich das Daf als PDF herunterladen: Daf Bamidbar 5779

Die Parascha in Kürze

• die wehrfähigen Männer jedes Stammes werden gezählt; Männer des Stammes Levi ab dem Alter von einem Monat werden separat gezählt
• die Lagerung der Stämme wird designiert
• die levitischen Familien, ihre Zahl, ihre Lagerung und ihre Aufgaben beim Transport des Stiftszeltes werden beschrieben

Konzept der Woche
וַיְדַבֵּר ה‘ אֶל־מֹשֶׁה בְּמִדְבַּר סִינַי בְּאֹהֶל מוֹעֵד בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ הַשֵּׁנִי בַּשָּׁנָה הַשֵּׁנִית לְצֵאתָם מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לֵאמֹר:

„Und Haschem redete mit Mosche in der Wüste Sinai, im Stiftszelt, am Ersten des zweiten Monats, im zweiten Jahr nach dem Auszug aus dem Lande Ägypten, und sprach.“ (1:1).

Mit dieser Parascha beginnen wir das Sefer Bamidbar. Ramban (Rabbiner Mosche ben Nachman, 1194-1270) erklärt, dass Haschem „in der Wüste Sinai, im Stiftszelt“ mit Mosche sprach: von der Zeit der Errichtung des Stiftszelts an sprach G-tt mit Mosche nur noch dort – Mosche stieg nicht mehr den Berg Sinai hinauf, um mit G-tt zu sprechen.
Der Midrasch kommentiert, dass die Tora inmitten dreier Dinge gegeben wurde: אֵֹש – Feuer, מַיִם – Wasser und מִדְבַּר – Wildnis/Wüste. Schem MiSchmuel (Rabbiner Schmuel Bornsztain, zweiter Sochatchover Rebbe, 1855-1926) hält diese drei Dinge für unabdingbar, um erfolgreich Tora zu lernen. Zuerst ist das Feuer, das den brennenden Wunsch darstellt, eine Verbindung mit G-tt aufzubauen und Seine Tora zu studieren. Allerdings braucht man auch Wasser, das für eine kühle und langmütige Einstellung steht, mit der das Lernen angegangen wird, um sich wirklich darauf einzulassen und die Materie mit Verstand zu analysieren. Schließlich soll man sich wie eine Wildnis betrachten und willens sein, die unnötigen Annehmlichkeiten der Welt zu ignorieren. Man soll sich durch nichts beirren oder ablenken lassen, wenn man die Tora wirklich in aller Tiefe verstehen und aufnehmen möchte.
Der Ksav Sofer (Rabbiner Avraham Schmuel Benjamin Schreiber, 1815-1871) versteht den Begriff der Wildnis ähnlich wie der Schem MiSchmuel, aber hält den Begriff des Wassers für ein Symbol der Charaktereigenschaft der Demut, die man besitzen muss, um erfolgreich Tora zu lernen. Dies ist konform mit einer berühmten Aussage unserer Weisen, die die Tora durch Wasser symbolisiert sehen. Denn so wie Wasser von einer höheren Stelle zu einer niedrigeren Stelle fließt, so verlässt die Tora einen arroganten Menschen und geht zu einem demütigen Menschen. Das Feuer symbolisiert für den Ksav Sofer, dass Tora die Quelle von Licht und Wärme ist, deren Hauptfunktion es ist, uns über Mitzwot, Teschuwa und gute Taten zu lehren. Sie ist jedoch auch ein Feuer, das jemanden versengen kann, der beim Studium der Tora nicht im Sinn hat, ihre Prinzipien und Gebote zu erfüllen.
Im Besonderen müssen Toragelehrte sich dies vor Augen halten, die beispielgebend für alle agieren müssen. Wenn sie ein schlechtes Beispiel abgeben und damit anderen Menschen Grund geben, ihr eigenes schlechtes Verhalten zu entschuldigen, werden sie zur Verantwortung gezogen und werden „verbrannt“.

Frage der Woche: Warum heißt es in Vers 1:1, dass Haschem בְּאֹהֶל מוֹעֵד mit Mosche spricht, aber im Sefer Wajikra 1:1 steht מֵאֹהֶל מוֹעֵד ? Antwort, s.G.w., im nächsten Daf.
Antwort auf die zuletzt gestellte Frage: Warum heißt es in Vers 26:4, dass der Regen fallen wird גִשְׁמֵיכֶם בְּעִתָּם – zur rechten Zeit? Chiskuni (Rav Chesekia ben Menoach, französischer Rabbiner des 13. Jhd.) erklärt, dass Regen, der zur falschen Zeit fällt, die Vegetation zerstören kann. Somit wird dieser Regen nicht den Segen bringen, den der Vers verspricht.
Biographie der Woche

Rabbi Jisroel Hager

Ahawas Jisroel

Jahrzeit 2. Siwan

Rabbi Jisroel Hager wurde 1860 in Vischnitz in Galizien geboren, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Sein Großvater Rabbi Menachem Mendel Hager (1830-1884) war der Begründer der chassidischen Dynastie Vischnitz. Der Junge heiratete früh und zog 1875 zu seinem Schwiegervater, Rabbi Meir Horowitz von Dschikov (1819-1877), wo er intensiv Tora mit seinem Schwager lernte. 1878 kehrte er nach Vischnitz zurück und stand seinem Großvater sehr nahe.
Sein Vater, Rabbi Baruch Hager (1845-1892), nahm 1884 die Position des Vischnitzer Rebben ein und führte Tausende von Chassidim. Als er 1892 starb, wurde sein ältester Sohn Jisroel 1893 Rebbe von Vischnitz. Er zog Zehntausende weiterer Chassidim aus der Bukowina, Galizien und Ungarn an und öffnete außer vielen jüdischen Schulen 1903 auch eine Jeschiwa, der sein Sohn Menachem Mendel vorstand.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 floh Rebbe Jisroel schließlich nach Grosswardein in Ungarn. Viele galizianische Juden flohen zu jener Zeit vor der russischen Armee nach Westen. Vor seiner Ankunft gab es nicht viele chassidische Bewohner in Grosswardein. Rabbi Jisroel Hager hatte den Ruf ein „Baal Mofes“, ein Wunderrabbi, zu sein, so dass viele Juden, aber auch Nichtjuden zu ihm flockten. Er zeichnete sich durch seine Liebe zu allen Menschen aus, was ihm den Beinamen „Ahawas Jisroel“ einbrachte.
In Grosswardein, das 1919 Teil des neugegründeten Staates Rumänien wurde, blieb er bis zu seinem Tod im Jahre 1936. Kurz nach der Staatsgründung des Staates Israel wurde Rabbi Jisroel Hagers Sarg unter rumänischer und israelischer Mithilfe nach Israel überführt, wo er in Bnei Brak beigesetzt wurde.
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