Mai ‍‍2018 - תשעח / תשעט

Daf Paraschat Bamidbar 5778

Paraschat Bamidbar
Erew Shawuot
18./19. Mai 2018
5. Siwan 5778

Bamidbar 1:1 – 4:20
Haftara: Schmuel I 20:18 – 42

Hier können Sie das Daf als pdf herunterladen: Daf Bamidbar 5778

Die Parascha in Kürze

• Die wehrfähigen Männer jedes Stammes werden gezählt; Männer des Stammes Levi ab dem Alter von einem Monat werden separat gezählt
Die Lagerung der Stämme wird designiert
• Die levitischen Familien, ihre Zahl, ihre Lagerung und ihre Aufgaben beim Transport des Stiftszeltes werden beschrieben

Konzept der Woche
וַיְדַבֵּר ה‘ אֶל־מֹשֶׁה בְּמִדְבַּר סִינַי בְּאֹהֶל מוֹעֵד בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ הַשֵּׁנִי בַּשָּׁנָה הַשֵּׁנִית לְצֵאתָם מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם לֵאמֹר:

„Und Haschem sprach zu Mosche in der Wüste Sinai, im Stiftszelt, am ersten des zweiten Monats, im zweiten Jahr nach dem Auszug aus dem Land Ägypten und sprach.“ (1:1)

Beis Avraham (Rav Avraham Weinberg, 1884-1933, Slonimer Rebbe) kommentiert ein interessantes und jährlich wiederkehrendes Phänomen. In jedem Jahr zählen wir die letzten Tage des Omer, wenn diese Parascha gelesen wird. Wir bereiten uns also intensiv auf den Feiertag Schawuot vor, an dem wir die Übergabe der Tora an das jüdische Volk feiern. Der Schabbat Bamidbar ist immer der letzte Schabbat vor Schawuot.
Beis Avraham erklärt, dass in dieser Parascha eine entscheidende Botschaft verborgen ist, die grundlegend mit dem Empfang der Tora verknüpft ist. Wir lesen in diesem Wochenabschnitt, dass das jüdische Volk gezählt wurde, Stamm für Stamm, aber als Ganzes, und somit die Einheit des Volkes demonstriert wird. Nur als eine geeinte Nation sind wir vorbereitet, die Tora in Empfang zu nehmen. Eine Nation, die untereinander entzweit ist, kann nicht eins werden mit Haschem und Seiner Tora. In diesem Zusammenhang wird oft der Vers 19:2 aus dem Sefer Schemot angeführt: וַיִּחַן־שָׁם יִשְׂרָאֵל נֶגֶד הָהָר – und Jisrael lagerte dort dem Berg gegenüber. Raschi kommentiert zu der Frage, warum das Verb in diesem Satz im Singular steht, dass dies ein Ausdruck ist von כְּאִישׁ אֶחָד בְּלֵב אֶחָד – als ein Mann mit einem Herzen. Die Einheit des Volkes war unabdingbar dafür, Haschems Partner bei der Übergabe der Tora zu werden.
Dieser Gedanke, führt Beis Avraham aus, erklärt auch Hillels Antwort an einen potentiellen Konvertiten, der die ganze Tora zu lernen wünschte, während er auf einem Fuß stand, wie die Gemara im Traktat Schabbat 31a beschreibt. Hillel sagte zu ihm: „דַּעֲלָךְ סְנֵי לְחַבְרָךְ לֹא תַּעֲבִיד – was dir verhasst ist, tue nicht deinem Freund.“ Beantwortet Hillel damit wirklich die Frage des Mannes? Der Mann rühmt Hillel sogar ob dieser Antwort! Ist in diesem Konzept wirklich die ganze Tora enthalten? Beis Avraham erklärt, dass dies die angemessene Antwort wegen der darin enthaltenen Wahrheit war. Damit der Mann Tora lernen konnte, musste er sich dem jüdischen Volk anschließen. Daher erwiderte Hillel: werde eins mit der Nation und bereite dich damit darauf vor, die ganze Tora anzunehmen.
Rabbenu Ephraim, einer der Tosafisten, der Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts in Frankreich lebte, schrieb einen Tora-Kommentar, der viele Gematriot zum Text bringt. Er sagt, dass die Gematria (numerischer Buchstabenwert) der Worteבְּמִדְבַּר סִינַי die Zahl 378 ist und das der Gematria von בְּשָׁלוֹם entspricht, was „mit Frieden“ bedeutet. Damit wird ausgedrückt, erklärt Rabbenu Ephraim, dass das jüdische Volk, als es sich dem Sinai näherte, geeint und im Frieden miteinander war. Es war eine Nation, völlig geeint im Dienste Haschems.
Aktuell waren wir in dieser Woche Zeuge der US-Botschaftseröffnung in Jerusalem. Die Entscheidung der amerikanischen Regierung, die israelische Hauptstadt Jerusalem als solche anzuerkennen, hat unter Juden eine fast einhellige Zustimmung gefunden. Meistens benötigen wir Krisen und Kriege, um uns darauf zu besinnen, dass wir als Juden zumindest von außen als Einheit gesehen werden. Es ist an uns, den Frieden untereinander herzustellen, das Gemeinsame zu finden und die Unterschiede zu respektieren.

Frage der Woche: Warum heißt es in Vers 1:2 בְּמִסְפַּר שֵׁמוֹת, dass die Männer ‚mit Zählung der Namen‘ gezählt wurden? Antwort, s.G.w., im nächsten Daf.

Antwort auf die zuletzt gestellte Frage: Warum nennt man, wenn man einem anderen Menschen Geld leiht, „ihm Leben zu geben“? Alschich (Rav Mosche Alschich, 1508-1593) erklärt, dass ein armer Mensch als tot angesehen wird und man ihm „Leben gibt“, wenn man ihm Geld leiht.
Biographie der Woche

Rabbi Israel ben Elieser

Baal Schem Tow

Jahrzeit 6. Siwan

Rabbi Israel ben Elieser wurde 1698 in einem kleinen ukrainischen Ort geboren. Seine Eltern waren bei seiner Geburt schon sehr fortgeschrittenen Alters und er wurde schon in früher Jugend zur Waise. Sein Vater hatte sterbend zu ihm gesagt: „Israel, mein Sohn, du hast eine sehr heilige Seele. Fürchte nichts außer G-tt!“ Der Junge wurde von der jüdischen Gemeinschaft erzogen und zeichnete sich nicht durch außergewöhnliche intellektuelle Begabung aus, sondern durch seine große Empfindsamkeit und seine Affinität zur Natur. Er verbrachte viel Zeit in den Wäldern der Umgebung und ging liebevoll auf die Kinder ein, die er als junger Mann auf dem Schulweg begleitete, indem er ihnen Geschichten erzählte und mit ihnen sang. Er erwarb sich ein großes Torawissen durch intensives Lernen in seiner Freizeit, als er sich um die Belange einer Synagoge kümmerte, obwohl er sich allen Leuten weiterhin als unscheinbarer Mensch präsentierte.
Er heiratete seine Frau Leah Rochel, die aus einer sehr wohlhabenden, gelehrten Familie stammte und in ihm mehr sah als die Umwelt. Sie unterstützte ihn tatkräftig und lebte mit ihm in Armut. Mit 36 Jahren wurde er als Baal Schem Tow angesehen und hatte die Reputation eines heiligen Mannes. Er vermittelte dem einfachen Volk, das wenig jüdisches Wissen besaß, einen Weg zu G-tt, der die Menschen durch Gebet, aber auch Freude bei Gesang, Tanz und jeglichen Alltagstätigkeiten G-tt näher brachte. Aber er diskreditierte nicht die Wichtigkeit des Toralernens und war in seinem inneren Kreis umringt von Toragelehrten.
Der Baal Schem Tow ist der Begründer des Chassidismus. Er schrieb seine Gedanken nicht selbst nieder, sondern seine Ausführungen liegen uns nur durch die Niederschriften seiner Schüler vor. Seine Schüler verbreiteten die chassidische Auslegung jüdischen Lebens und binnen weniger Jahrzehnte folgten viele Juden Osteuropas den chassidischen Rabbinern, die als Rebbes verehrt wurden und oft sehr volksnah waren.
Der Baal Schem Tow starb in Medschybisch (heutige West-Ukraine) an Schawuot 1760.
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