Mai ‍‍2017 - תשעז / תשעח

Daf Paraschat BaMidbar 5777

Paraschat Bamidbar

Daf Bamidbar 5777

26./27. Mai 2017
2. Siwan 5777

Bamidbar 1:1 – 4:20
Haftara: Hoschea 2:1 – 22

Die Parascha in Kürze
• Die wehrfähigen Männer jedes Stammes werden gezählt; Männer des Stammes Levi ab dem Alter von einem Monat werden separat gezählt
Die Lagerung der Stämme wird designiert
• Die levitischen Familien, ihre Zahl, ihre Lagerung und ihre Aufgaben beim Transport des Stiftszeltes werden beschrieben

Konzept der Woche
וְאֵלֶּה תּוֹלְדֹת אַהֲרֹן וּמֹשֶׁה בְּיוֹם דִּבֶּר ה‘ אֶת־מֹשֶׁה בְּהַר סִינָי:
„Und dies waren die Nachkommen Arons und Mosches am Tage, da Haschem mit Mosche auf dem Berg Sinai gesprochen hatte (3:1).“
Viele Mefarschim (Tora-Kommentatoren) fragen zu diesem Vers, warum die Nachkommen Arons und Mosches angekündigt werden, aber im nächsten Vers nur die Namen der Söhne Arons genannt werden.
Raschbam (Rav Schmuel ben Meir, 1085-1158, Enkel Raschis) erklärt, dass die Tora in einem späteren Vers (3:27) von Mosches Söhnen spricht. Dort heißt es וְלִקְהָת מִשְׁ פּחַת הָעַמְרָמִי … אֵלֶּה הֵם מִשְׁפְּחֹת הַקְּהָתִי – zu Kehat, die Familie des Amramischen Zweiges … dies sind die Familien des Kehatischen Hauses. Amram war der Vater von Mosche und Aron und an dieser Stelle kann nicht mehr von Arons Familie die Rede sein, da dessen Familie ja schon gezählt wurde. Übrig bleibt also, sagt Raschbam, Mosches Familie.
Malbim (Rav Meir Leibush Wisser, 1809-1879) schließt sich Raschbams Auffassung an und fügt hinzu, dass sich die Tora in Vers 3:1 nur mit Kohanim befasst. Mosche war ein Kohen, doch seine Söhne waren keine Kohanim. Der Vers 99:6 in Tehillim (Psalmen) sagt: משֶׁה וְאַהֲרֹן בְּכֹהֲנָיו
– Mosche und Aron waren unter Seinen Priestern (Kohanim). Malbim stellt fest, dass die Tora in unserem Vers 3:1 eindeutig Mosche einschließt, aber nicht seine Söhne, die ja keine Kohanim waren und später gezählt werden.
Die meisten Mefarschim stimmen allerdings nicht mit dem Raschbam überein und tendieren dahin zu sagen, dass man an dieser Stelle erwartet, die Aufzählung von Mosches Söhnen zu lesen. Rav Saadia Gaon (882-942) umgeht diese Schwierigkeit und meint, dass der Vers nicht von Arons und Mosches Söhnen sprechen kann, weil Mosches Söhne hier nicht aufgezählt werden. Er übersetzt das Wort תּוֹלְדֹת nicht mit ‚Nachkommen‘, sondern mit ‚Zensus‘. So wird aus dem Vers: dies ist der Zensus von Aron und Mosche an dem Tag, an dem Haschem mit Mosche auf dem Berg Sinai gesprochen hatte, und Rav Saadia Gaon meint, dass hiermit die Volkszählung in unserer Parascha gemeint ist. Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808-1888) erklärt, dass die Tora nur diejenigen bei der Volkszählung beim Namen nennt, die eine öffentliche Stellung in der Nation einnahmen, wozu die נְשִׂיאִים (Fürsten) und die Kohanim gehören. Für seine eigenen Kinder, sagt Rabbiner Hirsch, hatte Mosche „nicht einmal ein Ämtchen, ein Titelchen, ein Bändchen“ und ließ sie auszeichnungslos in die Menge aufgehen.
Ohr HaChaim (Rav Chaim ibn Attar, 1696-1743) betrachtet den Vers von noch einer anderen Perspektive und meint, dass die Tora hier nur Arons Söhne nennt um anzudeuten, dass sie wie Mosches eigene Kinder betrachtet werden. Der Midrasch erzählt nämlich, dass sich G-ttes Zorn bei der Sünde des goldenen Kalbs auch auf Arons Nachkommen ergoss. Durch Mosches intensives Gebet wurden sie aber gerettet. Ohr HaChaim erklärt in diesem Zusammenhang auch das Ende des Verses und sagt, dass damit auf den Tag angespielt wird, an dem Mosche auf dem Berg Sinai für Aron und seine Familie gebetet hat und auf Mosches Verdienst, so dass seine Gebete erhört wurden. Mosches Gebet hat seinen Neffen das Leben gerettet und er wird daher wie ihr Vater betrachtet.
Frage der Woche: Warum wurden die Levi’im ab dem Alter von einem Monat gezählt, während die Männer der anderen Stämme erst ab dem Alter von zwanzig Jahren gezählt wurden? Antwort, s.G.w., im nächsten Daf.
Antwort auf die zuletzt gestellte Frage: Warum steht das Gebot, im Schmitta-Jahr nicht zu pflanzen, im Singular, während das Gebot, im Jowel-Jahr nicht zu pflanzen, im Plural steht? Die Gesetze des Schmitta-Jahres müssen eingehalten werden, selbst wenn nur ein einziger Jude in Eretz Jisrael lebt. Die Gesetze des Jowel-Jahres finden aber nur Anwendung, wenn viele Juden dort leben.
Biographie der Woche
Rabbi Jitzchak von Corbeil

Semak
Jahrzeit 28. Ijar
Rabbi Jitzchak von Corbeil lebte im 13. Jahrhundert in Nordfrankreich. Er war ein Schüler und schließlich ein Schwiegersohn von Rabbi Jechiel von Paris (Ende 12. Jhd-1286), der zu seiner Zeit einer der angesehensten Rabbiner Frankreichs war und 1240 vor dem französischen König Ludwig IX. das Judentum gegenüber der katholischen Kirche verteidigen musste.
Rabbi Jitzchak von Corbeil studierte an der Jeschiwa der Tosafisten (Talmud-Kommentatoren des 12. bis 15. Jahrhunderts in Frankreich und Deutschland) in Evreux/Normandie. Aufgrund seines immensen Wissens und seiner Frömmigkeit scharte er zahlreiche Schüler um sich und gab schließlich das halachische Handbuch Amudej HaGola heraus, in dem er alle Mitzwot auflistet, die für jüdisches Leben nach der Zerstörung des Tempels anwendbar sind. Er gibt eine kurze Zusammenfassung jeder Mitzwa, manchmal mit den wichtigsten halachischen Details versehen, aber geht nicht auf Einzelheiten ein, die zu der endgültigen Halacha geführt haben. Sein Werk – und er selbst – wurde auch bekannt unter dem Namen Sefer Mitzwot Katan (Akronym: Semak). Da sein Buch seine Anwendung im täglichen jüdischen Leben findet, ist es in sieben Teile unterteilt – entsprechend den sieben Wochentagen – weil es kontinuierlich studiert werden sollte. Semak fand nicht nur große Verbreitung, sondern auch so geschätzte Anerkennung, dass es von allen halachischen Autoren jener Zeit zitiert wurde. Dazu gehörte auch der Tur (Rav Jakow ben Ascher, 1269-1343), dessen Werk Arba’a Turim die Grundlage des Schulchan Aruch bildete.
Rabbi Jitzchak von Corbeil schrieb als einer der Tosafisten auch Kommentare zum Talmud und hinterließ Responsen, da er als halachischer Dezisor anerkannt und sehr gefragt war. Er betonte die Wichtigkeit einer ethisch-moralischen Lebensführung. Er starb 1280.
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