Rabbiner Shimon Großberg

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Rabbiner im Portrait: Rabbi Shimon Grossberg, der in der jüdischen Gemeinde Osnabrück amtiert, musste erst selber lernen, zu glauben

„Religiös“, sagt Shimon Großberg, „religiös war ich überhaupt nicht als Kind.“ Seine Kindheit verbrachte der orthodoxe Gemeinderabbiner von Osnabrück in Uman, einer mittelgroßen Stadt, die im heutigen Staatsgebiet der Ukraine liegt. Im Kommunismus war es seinen Eltern – einem Elektriker und einer Kindererzieherin – nicht möglich, ihre Religion offen zu leben. „Ich wusste, dass es so etwas wie „Judentum“ gibt“, erinnert sich Großberg. „Mehr aber auch nicht.“ Trotzdem lernt er als Kind Jiddisch von seine Mutter und Großmutter. Bis heute spricht der 36-Jährige besser Jiddisch als Ukrainisch.

Er ist bereits Student, als ihm auffällt, dass Jiddisch nicht an nationale Grenzen gebunden ist. Am Grab des berühmten Rabbis Nachman von Bratslav, der in Uman beerdigt wurde, trifft er auf chassidische Juden, die zu Hunderten zur berühmten Grabstätte pilgern. Obwohl sie aus einem anderen Land kommen, sprechen sie Jiddisch. Großberg geht hin und spricht mit ihnen. „Es waren meine ersten Schritte ,zurück zur Religion“, erinnert sich Großberg heute. Gemeinsam mit seiner Freundin Nelya, die mit ihm zusammen Mathematik und Physik studierte, wollte er mehr über seine Religion und Herkunft erfahren. Vier Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ziehen die beiden, die inzwischen verheiratet sind, nach Moskau. Nelya studiert an einer jüdischen Hochschule Pädagogik, während Shimon Großberg Unterricht in einem Rabbiner-Institut und an der jüdischen Fakultät der Universität nimmt. Er lernt viel, wird aber noch kein Rabbiner. Zurück in Uman wird er von 1997-1998 Vorsitzender der dortigen jüdischen Gemeinde.

Doch Großberg will weiter – er will nach Deutschland. Zusammen mit seiner Frau, einer kleinen Tochter und mit seinen Eltern macht er sich auf den Weg. „Deutschland ist nicht Israel, aber man kann hier gut als gläubiger Jude leben“, weiß Großberg. Als Kontingentflüchtlinge kommen er und seine Familie 1999 in Deutschland an. In der Gemeinde Osnabrück hilft Großberg zunächst aus. Der betagte Rabbiner Stern und der Vorsitzende der Gemeinde, Michael Grünberg, bringen ihm viel bei. Weit über 90 Prozent der Gemeindemitglieder kommen aus der ehemaligen Sowjetunion. Mit Großberg hat man jemanden gefunden, der sie versteht. Als Rabbiner Stern stirbt, entscheidet sich Großberg schnell, Rabbiner zu werden. Er fliegt nach Jerusalem und zurück in seine Heimatstadt nach Uman. Dort legt er Prüfungen ab und wird schließlich ein orthodoxer Rabbi. Schnell kommt er zurück nach Deutschland und kümmert sich fortan um die circa 1000 Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Osnabrück zu sein.

Heute fühlt sich die Familie – die inzwischen drei Kinder hat – sehr wohl in Niedersachsen. Besonders gut gefällt ihm, „dass in der Gemeinde so eine fröhliche Atmosphäre herrscht.“ Der Vorsitzende Grünberg könne gut mit Menschen umgehen. Großberg möchte dafür sorgen, dass alle Juden der Gemeinde leben, „wie Juden leben sollen“. Und das hat er seinen Mitgliedern selber vorgemacht.