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Trauer und Hoffnung PDF Drucken E-Mail

Am 9. Aw befielen zahlreiche Tragödien das jüdische Volk, doch bleibt die Erwartung baldiger Erlösung auch an diesem Tag ungebrochen

Der 9. Aw ist als ein Tag der Trauer in die jüdische Geschichte eingegangen. Die Ursprünge von Tisch'a be-Aw, wie der Tag auf Hebräisch heißt, liegen schon in der Tora. Damals hatte sich das jüdische Volk geweigert, in das Heilige Land einzuziehen. Grund dafür waren die Angst einflößenden Berichte von zehn der zwölf Spione, die das Kanaan erkundet hatten. Mit seiner Weigerung ignorierte das Volk Israel ein Versprechen G-ttes , das Land in seine Hand zu geben.

Wegen dieses Vergehens erklärte G-tt, das Volk Israel hätte diesmal ohne Grund geweint, doch werde Er ihm in späteren Generationen an diesem Tag wirkliche Gründe zum Wehklagen geben. So wurde der 9. Aw zu einem Tag bestimmt, an dem das Unglück das jüdische Volk treffen würde.

Die Mischna nennt fünf weitere Ereignisse, die sich am 9. Aw zugetragen haben. So wurde dem Volk Israel in der Wüste angekündigt, dass seine Wanderung vierzig Jahre lang dauern würde. Der Erste Tempel und das Königreich Juda wurden am gleichen Datum von den Babyloniern unter König Nebuchadnezzar zerstört. Die Juden wurden gefangen genommen und nach Babylon verbannt. Damit begann das babylonische Exil. Auch der Zweite Tempel wurde am 9. Aw zerstört. Anschließend wurden die Juden durch die römische Macht in alle Welt zerstreut. Unter den Folgen dieses Exils leiden wir bis heute. Ein weiteres Ereignis, das mit dem 9. Aw zusammenhängt, ist die Niederschlagung des gegen Rom gerichteten Aufstands von Bar Kochba durch die römischen Besatzer und die Tötung Bar Kochbas. Schließlich fällt die Zerstörung Jerusalems ebenfalls an diesen Tag. Auch über die Auflistung der Mischna hinaus sind zu Tisch'a be-Aw zahlreiche unglückliche Ereignisse zu verzeichnen, darunter die Verkündung des ersten Kreuzzuges, der Tausende von Juden das Leben kostete und zur Auslöschung vieler jüdischer Gemeinden führte. Die Vertreibung der Juden aus England sowie aus Spanien gehört ebenfalls dazu.

Unsere Weisen schärften uns ein, uns jederzeit insbesondere an die Zerstörung der beiden Tempel zu erinnern. Daher gibt es einige Bräuche, die uns sogar bei freudigen Anlässen an die Zerstörung des Heiligtums erinnern sollen. So soll beim Streichen eines Wohnsitzes eine gegenüber dem Eingang liegende Stelle unbemalt bleiben, damit wir uns beim Betreten des Zuhauses erinnern, dass unser Leben unvollkommen bleibt, solange der Tempel nicht wiedererrichtet worden ist. Bei Hochzeiten gibt es den Brauch, als Gedenken an die Zerstörung des Tempels Asche auf den Kopf des Bräutigams zu streuen und am Ende der Hochzeitszeremonie ein Glas zu zerbrechen.

Dieser Tag soll aber auch der Anfang für unsere Erlösung werden. So sagen unsere Weisen, dass der Messias am 9. Aw geboren werden soll. Ein weiteres Zeichen könnte sein, dass der 9. Aw und der erste Tag von Pessach, der ebenfalls unsere Erlösung symbolisiert, auf den gleichen Wochentag fallen. Mit den anderen Worten wird unsere Erlösung aus derselben Wurzel wie unser Leid erwachsen. Diese Idee wird im Talmud, Traktat Makkot, deutlich. Nach der talmudischen Erzählung machten sich einige Weisen eines Tages auf den Weg nach Jerusalem. Als sie die Stelle erreichten, an der einst der Tempel gestanden hatte, sahen sie einen aus den Ruinen des Allerheiligsten heraus kriechenden Fuchs. Die Weisen brachen in Tränen aus, doch fing Rabbi Akiwa an zu lachen. Als sie ihn fragten, warum er lache, erwiderte er, seinerseits nicht verstehen zu können, warum die anderen weinten. Als Rabbi Akiwa den Fuchs sah, begriff er nämlich, dass sich damit die Weissagung des Propheten Uria erfüllte. Wenn dem aber so sei, würden sich gewiss auch die Worte des Propheten Secharja bewahrheiten, der unsere Erlösung weissagte. Darauf sprachen die Weisen: "Akiwa, du hast uns getröstet, Akiwa du hast uns getröstet". Mögen auch wir in seinen Worten Trost finden und die baldige Erlösung erleben.

 
Aus Liebe zum Land PDF Drucken E-Mail

Warum Zionismus und Religion zusammengehören

Theodor Herzl war kein besonders religiöser Mensch. Dennoch nehmen wir auch als gläubige Juden für uns in Anspruch, gute Zionisten zu sein. Warum auch nicht? Zionismus und Religion widersprechen einander nicht. Ganz im Gegenteil. Der Staat Israel hat im religiösen Sinne eine ganz besondere Bedeutung für unsere eigene Identität. Wenn wir in die Tora schauen, sehen wir: Jedes Mal, wenn G'tt unseren Vorvätern erschien, um Verheißungen zu machen, dann versprach er ihnen, dass sie zu einem großen Volk werden und das Land Israel in Besitz nehmen würden. Dort sehen wir, dass Religion und Zionismus untrennbar miteinander verbunden waren – und bis heute eine Einheit bilden.

Es gibt die Tendenz, dass wir Juden gar nicht gefragt werden, ob wir für Israel eintreten oder uns der jüdische Staat egal ist. Die Umweltgesellschaft verbündet sich, und Kritik an Israel schlägt in Antisemitismus um. Wir sind damit konfrontiert, ob wir wollen oder nicht.

Aktiv verteidigen

Dann stehen wir vor der Frage, ob wir für den Staat Israel aktiv eintreten sollen. Unsere Schriften sagen uns, dass dies aus verschiedenen Gründen sehr wichtig ist. »Kol Israel arewim sze lesze«, wir haben eine gemeinsame Bürgschaft, um die wir nicht herum kommen. Ob wir in Berlin oder Beer Schewa, in Köln oder Kirjiat Schmona leben – wir sind als Volk miteinander verbunden. Darüber sollten wir uns im Klaren sein. Israel kann uns nicht egal sein. Wie sich das auswirkt, ob wir das Land aus der Diaspora unterstützen oder meinen, wahre Solidarität nur mit der Alija zeigen zu können, das ist eine Frage der Ausrichtung und Strömung. Unsere Überlieferungen sehen die Bedeutung im Land Israel und seiner Besiedlung, der religiöse Zionismus unterstützt das Gebilde des Staates und dessen weitere Entwicklung. Von diesem Standpunkt aus ist jeder einzelne Jude direkt damit verbunden, was in Israel vor sich geht.

Natürlich darf man Kritik üben. Aber dass man grundsätzlich Position für Israel bezieht, ist eine Selbstverständlichkeit. Probleme mit der Politik von Avigdor Lieberman, kein Verständnis für die Aktion gegen die Gaza-Flottille, Zweifel an der Siedlungspolitik? Über diese Themen kann man selbstverständlich diskutieren. Der Disput ist Teil unseres demokratischen Selbstverständnisses. Doch dürfen wir das nicht verwechseln mit unserem Auftreten nach außen, bei dem solche Kritik auch schnell als Delegitimierung der Grundsätze missverstanden werden kann. Israels Existenzrecht und das Recht auf Selbstverteidigung stehen außer Frage. Das müssen wir immer wieder deutlich machen.

Der religiöse Zionismus sieht die Lage nicht schwarz-weiß. Die Realität ist komplexer. G'ttliche Programme schlagen sich in der Menschheit nieder und machen eine Entwicklung durch. Das war schon immer so, es gab in der Geschichte nur wenige Momente des vollkommenen Ideals. Auch da ist immer die Frage, ob das Ideal wirklich vollkommen war. Es scheint so, als ob G'tt Kompromisse eingeht, um sein Programm zu verwirklichen. Und diese Kompromisse nennen sich dann Menschlichkeit, menschliche Freiheit, freier Wille. Im religiösen Zionismus ist der Staat Israel ein Stück dieses g'ttlichen Programms. Aus diesem Staat heraus kann dann die endgültige Erlösung, als »reschit zmichat Geula-tenu«, kommen. Wir hoffen darauf und beten jeden Tag dafür.

Zionismus heute

Der heutige Zionismus weist im religiösen Bereich eine viel stärkere Basis auf, blüht und entwickelt sich. Dies ist im säkularen Lager eher rückläufig. Wenn man Israel als säkulares Gebilde versteht, so wie andere Staaten, dann lässt sich nicht mehr erklären, warum dieses Land so viel leiden muss, um dieses Ziel zu erreichen. Die Verbindung mit unseren Quellen und unserer Herkunft ist ein zentrales Moment des Zionismus. Das Visionäre hat darin einen fruchtbaren Boden. Selbst in den Strukturen macht sich das bemerkbar: Im Juni wurde mit Avraham Duvdevani erstmals eine religiöse Persönlichkeit an die Spitze der World Zionist Organization (WZO) gewählt.

Die Verbindung zwischen Religion und Zionismus funktioniert in beide Richtungen. Oft finden Diasporajuden, die ohne eine natürliche Bindung an den Staat Israel aufgewachsen sind, ihre Liebe zum Land über jüdische Bildung, über unsere Schriften und über die Religion. Was Herzl wohl dazu sagen würde? Ich weiß es nicht. Klar ist: Sein Traum von einer jüdischen Heimstätte ist wahr geworden. Vielleicht hätte er sich gewünscht, dass sie irgendwo anders auf der Welt entstanden wäre, ohne die vielen Konflikte mit den Nachbarn. Doch dann würde sich irgendwann die Frage stellen, wie jüdisch diese Heimstätte wäre. Sollte Israel ein säkulares Gebilde sein, so wie andere Staaten? Nein. Denn dann wäre es kein Staat mehr, der das jüdische Volk auf der ganzen Welt verbindet und vereint.

Der Autor ist Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Köln

 
Eine Frage der Folgen PDF Drucken E-Mail

Was die Zerstörung des Jerusalemer Tempels mit unseren alltäglichen Streitigkeiten zu tun hat

Am kommenden Dienstag (17. Tamus) beginnen die drei Wochen vor dem 9. Aw, eine Periode, die durch viele Ereignisse der jüdischen Geschichte zur Trauerzeit geworden ist. Insbesondere betrauern wir dabei die Zerstörung der beiden Tempel, was gleichzeitig auch den Verlust des Landes Israel und den Beginn unseres Exils, das schon fast 2.000 Jahre andauert, bedeutet.

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Endlich Ferien PDF Drucken E-Mail

Müßiggang ist aller Laster Anfang, heißt es. Dürfen wir uns dem sommerlichen Nichtstun hingeben?

Der Sommer ist wieder da! Und das heißt, dass es bald in den Urlaub geht. Endlich. Wer kennt nicht das Gefühl, die Arbeit hinter sich zu lassen und sich auf den Weg in die langersehnten Ferien zu machen. Viele warten nur auf diese Zeit im Sommer, wo sie Strand, Meer, Berge und Sonne richtig genießen können – und endlich den grauen Alltag vergessen wollen. Viele sparen das ganze Jahr über, um nur diese zwei oder drei Wochen richtig genießen zu können – ohne dabei ständig auf den Geldbeutel schauen zu müssen. Doch was sagt unsere Religion dazu? Ist Urlaub eine gesunde Sache für den Geist – und wie viel soll man in einen Urlaub investieren?

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Das Fundament PDF Drucken E-Mail

Tora, Gottesdienst und gute Taten: Auf diesen drei Dingen ruht die Welt

„Schimon HaZaddik war einer der letzten Mitglieder der großen Versammlung der Weisen. Er pflegte zu sagen: ,Auf drei Dingen steht die Welt – auf der Tora, auf Gottesdienst und auf guten Taten.’“ (Sprüche der Väter, 1, 2)

Was muss eine Person machen, um ihre Aufgabe in dieser Welt zu erfüllen? Unsere Analyse fängt mit einer Geschichte an. Es ist eine wahre und dokumentierte Geschichte, aufgezeichnet im Babylonischen Talmud (Yoma 69a). Es geht um eine Begebenheit aus der Zeit, als Alexander der Große über Israel geherrscht hat: Um die Juden zu diskreditieren und sich selbst Ansehen zu verschaffen, informierte die judenfeindliche Kuti-Sekte Kaiser Alexander, dass sich die Juden gegen ihn aufgelehnt hätten.

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