Sep ‍‍2012 - תשעב / תשעג

Pessach

Die Vorbereitungen für Pessach sind die umfangreichsten und die aufwendigsten während des ganzen jüdischen Jahres. Sie betreffen sowohl den physischen als auch den spirituellen Bereich. Wir handeln auf beiden Ebenen gleichzeitig und parallel.

Das Chamez Verbot

Wir wurden von der Tora angewiesen, am Pessachfest keinen Chamez (Gesäuertes) zu essen noch es zu besitzen. In der Thora heißt es dazu:

Dass bei dir weder Sauerteig noch gesäuertes Brot gesehen werde an allen deinen Orten.
Schmot, 13,7

Was aber ist Chamez?

Übersetzt bedeutet es „Gesäuertes“. Das Mehl aus den fünf Getreidearten Weizen, Dinkel, Gerste, Hafer oder Roggen, das mit Wasser in Berührung kommt, verwandelt sich innerhalb von 18 Minuten zu einem Sauerteig. Jede Speise, die einen auch noch so kleinen Teil Chamez enthält, heißt „Chamez“. Als Chamez gelten also in erster Linie Brot und andere Teigwaren. Obwohl Hülsenfrüchte – z.B. Hirse, Bohnen, aber auch Korn, Reis und Soja nicht von diesen fünf Sorten sind und alles, was aus ihnen hergestellt wird nach der aschkenasischen Tradition aufgrund der Verwechslungsgefahr (in früheren Zeiten) an Pessach nicht gegessen. Man nennt diese Getreidesorten „Kitnijot“. Auch alkoholische Getränke, die mit Getreide hergestellt werden, etwa Bier oder Whiskey, sind ebenfalls Chamez. Die meisten Fertiggerichte enthalten selbstverständlich ebenfalls Chamez.

Die einzige Speise, die aus oben genannten fünf Getreidesorten hergestellt ist, die zu Pessach gegessen wird, ist Mazza (an den ersten zwei Pessach-Abenden ist es sogar Vorschrift, sie zu essen). Wie jedes Jahr können Sie Mazzot in der Gemeinde bestellen.

Wie man das Chamez wegräumt

Alle chamezhaltigen Nahrungsmittel und Utensilien, die man das ganze Jahr über benutzt, sind nicht „Koscher le Pessach“. Sie müssen vor Pessach aufgebraucht oder in einem verschlossenen Raum gelagert werden. Das gelagerte Chamez selbst muss vernichtet oder an einen Nichtjuden verkauft werden.

Nachdem alles Chamez weggeräumt ist, wird das ganze Haus gereinigt.

Vorbereitung der Küche

Um eine Küche für Pessach vorzubereiten, müssen wir sie von Chamez kaschern.

Geschirr und Utensilien

Einfachheitshalber benutzt man an Pessach spezielles Geschirr, Besteck, Pfannen und andere Utensilien. Falls nötig, können manche Dinge, die man das ganze Jahr über benutzt – wie z.B. Metalltöpfe -, auch an Pessach verwendet werden, wenn man sie vorher kaschert. Idealerweise wird gleichzeitig ein Stein oder Metallgegenstand erhitzt und in den Topf geworfen, damit das Wasser zum Sieden gebracht wird.

Geschirr und Küchenutensilien aus Porzellan, Kunststoff oder Holz können nicht gekaschert werden.

Metallgeräte wie zum Beispiel Töpfe oder Bestecke müssen gründlich gesäubert und anschließend in kochendes Wasser getaucht werden. Glasgeschirr wird nach dem vollständigem Putzen gekaschert, indem man es drei Tage lang in kaltem Wasser stehen lässt; das Wasser wird jeweils am Ende eines Tages erneuert.

Herd

Der gesamte Herd muss gründlichst gereinigt werden. Anschließend werden die Herdplatten auf höchster Temperatur erhitzt, bis sie rot glühen. Der Ofen wird auf höchster Stufe für eine Stunde erhitzt. Ofen und Herd sollten anschließend mit Aluminiumfolie abzudecken.

Mikrowelle

Auch der Mikrowellenherd (ohne Herd) muss gründlich geputzt werden. Füllen Sie anschließend einen Behälter, der während der vergangenen 24 Stunden nicht benutzt wurde mit Wasser. Schalten Sie die Mikrowelle an und lassen Sie das Wasser verdampfen.

Spülbecken

Reinigen Sie das Spülbecken äußerst gründlich. Kochen Sie danach Wasser in einem sauberen Topf, der während der vergangenen 24 Stunden nicht benutzt wurde, und gießen Sie das Wasser je dreimal auf alle Seiten des Beckens inklusive des Abflusses. Kühlschrank, Gefriertruhe, Schränke, Tische und Arbeitsplatte Reinigen Sie alles so, dass auch Reste und Verklebtes verschwinden. Es empfiehlt sich, alle Flächen während Pessach mit Alufolie oder Plastikfolie abzudecken.

Die Vorbereitungen auf den Sederabend

Außer den Speisen, die während des Mahls serviert werden, braucht man für den Seder folgendes:

  • Koscheren Wein oder koscheren Traubensaft
  • Mazzot, und zwar mindestens drei ganze Mazzot (Schmure-Mazze).
  • Sroah, ein auf offenem Feuer gerösteter Knochen.
  • Beizah, ein Ei, gekocht oder geröstet.
  • Maror, Bitterkraut, meistens Meerrettich oder ein Salatblatt.
  • Charosset, eine Mischung von geriebenen Äpfeln, Nüssen und Wein
  • Karpas, ein Gemüse, oftmals Petersilie oder gekochte Kartoffeln
  • Chaseret, weitere bittere Kräuter, meistens frisch geriebener Meerrettich ein Schälchen Salzwasser und
  • ein großes Weinglas.

Die meisten der oben genannten Dinge werden auf einer Sederschüssel angeordnet. Weitere Anleitungen für die Sederabende entnehmen Sie bitte Ihrer Haggadah. Der Sederabend ist ein rituelles Mahl, welches die oben genannten Dinge benutzt, um die Idee der Befreiung aus der Sklaverei auszudrücken. Der Sinn des Sederabends besteht darin, sich selbst als einen aus der Sklaverei Befreiten zu erleben.

Die Sederabende

Die beiden Sederabende finden jeweils nach dem Abendg-ttesdienst statt. In diesem Jahr fallen sie auf den 19. und 20. April 2008. Der Seder (=Ordnung) ist die religiöse Feier an Pessach, die ein festliches Mahl einschließt, welches von zahlreichen rituellen Handlungen begleitet wird. Das wichtigste Gebot am Sederabend lautet: „Wehigata lebincha – Erzähle es deinen Kindern.“

Im Laufe des Seders, welcher oft bis in die Nacht dauert, lesen die Anwesenden gemeinsam die Haggadah (= Erzählung). In der Haggadah wird die Geschichte des Auszuges aus Ägypten in allen Einzelheiten beschrieben (Es gibt Haggadot in allen Übersetzungen, auch auf Deutsch und Russisch.).

Bedikat Chamez

Am Abend des 17. April 2008, nach Tefilat Ma’ariw, darf Bedikat Chamez ausgeführt werden, eine formelle, ritualisierte Suche nach Chamez im Haus. Ein Bewohner des Hauses (am besten ein Kind) versteckt zehn kleine Stückchen Chamez, welche gut eingepackt sein sollten. Gesucht wird mit Hilfe des Lichtes einer Kerze und mit einer Feder.

Bevor man mit dem Bedikat Chamez beginnt, spricht man die Bracha: „ Gelobt seist du, Ewiger unser G-tt, König der Welt, der du uns durch deine Gebote geheiligt hast und uns die Entfernung alles Gesäuerten befohlen hast“ – „Baruch ata ad-nai el-heinu melech haolam ascher kidschanu be mitzwotaw weziwanu al bi’ur chametz“.

Das Bedikat Chametz soll nicht durch Sprechen unterbrochen werden. Die Prüfung wird mit Hilfe einer einzigen Kerze vorgenommen, nicht jedoch mit einer Fackel oder einer Anzahl von Kerzen, die miteinander verbunden sind. Wenn möglich, führe man die Überprüfung mit einer Wachskerze durch, wenn man jedoch keine hat, verwende man hierzu eine andere Art. Das bei der Suche gefundene Chamez wird sorgfältig über Nacht aufbewahrt, um am nächsten Morgen verbrannt zu werden.

Biur Chamez

Am Freitag, dem 18. April 2008 besteht in den meisten jüdischen Gemeinden die Möglichkeit, das Chamez zu verbrennen. Alles am Vorabend gefundene Chamez sowie die Reste des Frühstückes werden verbrannt.

Fasten der Erstgeborenen

Als Ausdruck der Dankbarkeit dem Allmächtigen, dass er die jüdischen Erstgeborenen verschonte, als zehnte die Plage Ägypten schlug, fasten erstgeborene Söhne und Väter von erstgeborenen Söhnen, die noch nicht 13 Jahre alt sind, am Tag vor Pessach.

Ta’anit bechorim, das Fasten der Erstgeborenen, findet am Donnerstag, dem 17. April 2008, statt. Es ist üblich, entweder zu fasten oder ein Traktat des Talmuds zu beenden. Diejenigen, die nicht fasten können, sollten zum Sijum des Talmudtraktates, das in jeder Gemeinde zum Schacharit vorgetragen wird, kommen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte gerne an Ihren Gemeinderabbiner.